Julius Deussen (1906–1974)


Julius Deussen, der einen Doktorgrad sowohl in Medizin als auch in Philosophie hatte, absolvierte 1938/39 einen Ausbildungslehrgang am Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene der Universität Frankfurt a. M. unter Otmar Frhr. v. Verschuer. 1939 ging er an die DFA, wo er die Leitung der Abteilung für Erbpsychologie übernahm. Im Zweiten Weltkrieg führte Deussen erbbiologische Forschungen an „nichtsesshaften Asozialen“ und in der Wehrmacht dienenden Zwillingen durch. 1942/43 war er Beratender Psychiater der Wehrmacht.

Von 1943 bis 1945 arbeitete Deussen, der immer noch als Mitarbeiter der DFA geführt wurde, in der „Forschungsabteilung“ der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg unter Carl Schneider, die Teil der „Begleitforschung“ zur NS-„Euthanasie“ war. Deussen wählte Kinder für die „Forschungsabteilung“ aus und führte erbpsychologische Untersuchungen an ihnen durch. Von den 52 in Heidelberg untersuchten Kindern wurden 21 in der Anstalt Eichberg ermordet. Wie tief Deussen in dieses Verbrechen verstrickt war, zeigt sich daran, dass er noch am 23. November 1944 zwei Kinder mit dem Auto auf den Eichberg brachte – von denen eines umgebracht wurde – und sechs Gehirne von dort mitnahm.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Julius Deussen weiter als Arzt, zuletzt als Psychiater bei der Bundeswehr.