Karl Neubürger (1890–1972)


Karl Neubürger entstammte einer Familie aus dem jüdischen Bürgertum, trat aber bei seiner Heirat 1925 zur katholischen Kirche über. 1926 wurde er mit der Leitung der neuropathologischen Prosektur der DFA in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar betraut. Schon im März 1933 untersagte ihm die Regierung von Oberbayern wegen seiner jüdischen Herkunft die Fortsetzung seiner Arbeit und verbot ihm das Betreten der Prosektur. Walther Spielmeyer, der Leiter der Histopathologischen Abteilung der DFA, protestierte gegen dieses Berufsverbot: Neubürger sei ein unverzichtbarer Mitarbeiter, seine Arbeit werde von der Rockefeller Foundation gefördert, im Falle seiner Entlassung drohe ein Wegfall dieser wichtigen Fördermittel. Neubürger konnte, geschützt durch den „Frontkämpfer“-Paragraphen des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, tatsächlich zunächst weiterarbeiten. Nach dem Erlass der „Nürnberger Gesetze“ verlor er jedoch Ende 1935 seine Stelle als Leiter der Prosektur. Aufgrund der Förderung durch die Rockefeller Foundation konnte er, mit Unterstützung Ernst Rüdins, seine Forschungen an der DFA noch bis 1938 fortsetzen.

Im August 1938 emigrierte Karl Neubürger mit seiner Familie in die USA und wurde als Neuropathologe an der School of Medicine der University of Colorado in Denver tätig.